Wochenrückblick zum 06.09.2010
Aktienmärkte
Mit Kurssteigerungen zwischen 3% und 5% machten die internationalen Börsen in der Vorwoche kräftig Boden gut. Die Börsenerholung bildete sich durchgängig auch auf der Branchenebene ab. Alle zehn Kernsektoren im S&P 500 bzw. alle 19 Branchen im STOXX 600 konnten im Wochenverlauf zulegen. Favorisiert wurden vorwiegend konjunkturzyklische Branchen mit Zuwächsen im Bereich von zumeist 4% bis 7%, während defensivere Titel mit etwas Abstand folgten. Im STOXX 600 setzten sich Grundstoffe (+6,8%) und Automobile (+6,4%) vorne ab, am Tabellenende fielen die Avancen bei Versorgern (+2,0%) und Telcom (+1,6%) verhaltener aus. Für Erleichterung sorgte vor allem der über den Prognosen veröffentlichte US-Arbeitsmarktbericht, wodurch jüngste Konjunkturängste zunächst wieder in den Hintergrund rückten. Zugleich wurde an vielen Börsen eine Serie von drei negativen Wochenbilanzen abgeschlossen. An der Wall Street rückte zumindest der Dow erstmals seit Anfang August wieder in den Bereich mit einer positiven Jahresperformance vor.
Durch Ausstellungen für die Volkszählung in den USA gingen am Arbeitsmarkt im August zwar im dritten Monat in Folge erneut Stellen verloren. Der Privatsektor realisierte jedoch mit 67.000 ein höher als erwartetes Stellenplus (e40.000). Zudem wurde der Zuwachs im Vormonat von 71.000 auf 107.000 nach oben revidiert. Im Dreimonatszeitraum per Ende August er-folgte damit ein monatsdurchschnittlicher Aufbau im Privatsektor von knapp 80.000 Stellen. Allerdings bleibt die Erholungsdynamik nach dem rezessionsbedingten Einbruch 2009 bislang weiterhin noch moderat. Etwas zurückhaltender fiel die am Freitagmorgen abgeschlossene 5-Tagesbilanz in der Asien/Pazifik-Region aus, wobei die Zuwächse mit zumeist 1,5% bis 3% dennoch robust waren. Mit dem internationalen Rückenwind schliesst der Shanghai Composite zu Wochenbeginn nahe 2700 auf einem 4-Monatshoch. Tokio holt vom kräftigen August-Rückschlag (-7,5%) bisher 5,4% auf. Gold lief sich nach einer Zwischenrallye seit dem Juli-Tief bei 1160 USD zuletzt an der 1250 USD-Marke fest, der Ölpreis kann seine jüngsten Absetzbewegungen über 75 USD zunächst ebenfalls nicht behaupten und konsolidiert weiter im Bereich der 74 USD-Marke.
Rentenmärkte
An den Bondmärkten setzten vor allem die Notenbanken die Akzente. Zunächst veröffentlichte die Fed ihr Protokoll zur Sitzung vom 10. August. Darin bestätigte sie ihre Einschätzung in eine nur zögerliche Erholung der US-Wirtschaft. Die von S&P/CaseShiller ermittelten durchschnittlichen Häuserpreise in 20 ausgesuchten Metropolen setzten im Juni mit +4,2% gegenüber dem Vorjahr den steigenden Trend der Vormonate fort. Das Verbrauchervertrauen blieb zwar weiter unter der Jahres-spitze von Mai (62,7), konnte sich aber im August über den Erwartungen auf 53,5 (nach 51,0) erholen. Stärker auf 56,7 (nach 62,3) kam der Einkaufsmanagerindex für die Region Chicago zurück, blieb aber zumindest deutlich über der Expansionsgrenze von 50. Fast schon euphorisch reagierte die Wall Street dann auf die Bekanntgabe des ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe mit Anstieg auf 56,3 (nach 55,5/e52,8). Erfreulich war die Verbesserung in den Teilkomponenten Produktion (59,9 nach 57,0) und Beschäftigung (60,4 nach 58,6). Wesentlichen Einfluss hatte die Preiskomponente (61,5 nach 57,5), Auftragseingänge (53,1 nach 53,5) und Auftragsbestand (51,5 nach 54,5) gingen jedoch zurück.
Während die schwedische Notenbank ihren Leitzins Anfang September auf 0,75% (+25 BP) erhöhte, beliess die EZB ihren Leitzins erwartungsgemäss bei 1,00%. Zugleich hob sie jedoch ihre Projektionen für Wachstum und Inflation an. Für das erwartete BIP-Wachstum in 2010 wurde der Prognosekorridor auf 1,4%-1,8%/Mittelwert 1,6% (bisher 0,7%-1,3%/MW 1,0%) geliftet. Für 2011 werden nun 0,5%-2,3%/MW 1,4% nach 1,2%) in Aussicht gestellt. Die durchschnittlichen Inflationsprognosen wurden jeweils leicht für 2010 auf 1,6% (zuvor 1,5%) sowie für 2011 auf 1,7% (zuvor 1,6%) erhöht. Mit Feinsteuerungsoperationen sollen auslaufende 6- bzw. 12-Monatstender begleitet werden. Ihre Hauptrefinanzierungsgeschäfte werden mit Vollzuteilung zumindest bis 18. Januar verlängert. Trotz zuversichtlicherer Konjunkturprognose hält sie damit an ihrer expansiven Geldpolitik grundsätzlich fest.
Deutlich ausgedünnt präsentiert sich der Kalender für die Konjunkturdaten im Wochenausblick. An der Wall Street ist zunächst das Beige Book der Fed (Mi.) als konjunkturelle Lagebeurteilung im Vorfeld der nächsten Zinssitzung am 21.09. von Bedeutung. Wichtig sind ferner die Daten zur Juli-Handelsbilanz sowie die wöchentliche Arbeitsmarktstatistik (jeweils Do.). Im Euroraum stehen vorwiegend die Konjunkturdaten in Deutschland mit Auftragseingängen (Di.) sowie Handelsbilanz und Industrieproduktion (jeweils Mi.) im Blickpunkt. Nach einer Bodenbildung vorletzte Woche im Bereich zwei- bzw. mehrjähriger Zinstiefs drehten die Bondrenditen vergangene Woche in Reaktion auf die verbesserten Konjunkturdaten leicht nach oben. Die 10j-Renditen bei US-Anleihen steuerten wieder die 2,70%-Marke an, laufzeitgleiche Bundesanleihen kletterten von ihrem Rekord-Renditetief knapp unter 2,10% binnen Wochenfrist wieder bis 2,35%. Der "Transatlantik-Spread" zu US-Treasuries weitete sich von seinem Zwischentief bei 22 BP Anfang August zuletzt auf wieder über 35 BP aus.

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